Nordadria

Tag 1.
Am 1. April, um 1000 kommt der Portalkran, um die Jo Eh von ihrem Trockenliegeplatz in ihr Element zu tragen. Nach einer entsprechenden Kontrolle der Seeventile geht es die ersten 5 Seemeilen unter Maschine aus der Lagune, vorbei am Leuchtfeuer von Punto Faro, dem blauen Meer entgegen.

Am Ende des Fahrwassers weht der Wind mit den angekündigten 15 Knoten aus Nordost. Also Genua und Groß gesetzt und unter Kurs 135° Richtung Umag zum Einklarieren. Leider verlässt mich der Wind bereits nach knappen 9 Seemeilen, und ich muß wieder das „Eiserne Herz“ der Jo Eh zum Leben erwecken. Die restliche Strecke von 19 Meilen wird in gemütlicher Fahrt zurückgelegt, sodaß ich um 1715 an der Zollmole der ACI-Marina längseits gehe. Der Hafenkapitän hat schon Feierabend, daher mache ich nur die Immigration bei der Polizei, direkt am Steg. Die Zeit bis zum Abendessen widme ich meinem nächsten Projekt: das Armaflex 19 mm will verbaut werden. Dazu räume ich die Heckkabine bis auf eine Matratze komplett aus und beginne, auch die seitlichen Holzverkleidungen abzuschrauben. Die darunter liegenden Stauräume bekommen auch gleich von oben neue Zugänge.

Nachher statte ich der Crew der Independence, die mit mir gemeinsam an der Zollmole die Nacht verbringen, einen Besuch ab. Manuel, ein sehr netter österreichischer Skipper, der mit einigen NGOs unterwegs nach Kreta ist. In dem von ihm ins Leben gerufene Projekt Projekt Manaia werden Beobachtungen von Fischen, die aus ihren Lebensräumen des Indischen Ozeans über das Rote Meer ins Mittelmeer vordringen, dokumentiert. Manuel will morgen sehr früh die Weiterfahrt antreten, da ein Jugo am Donnerstag alle Yachten in die Häfen zwingen wird. Da der Hafenkapitän erst um 0800 wieder in Amt und Würden ist, borge ich ihm meinen E-Scooter, den ich vor 2 Jahren bei der WAVE 2017 in der Schweiz gewonnen habe, um den etwa 2.5 km langen Weg flotter zurücklegen zu können.

Dieser Scooter ist eine echte Alternative zu einem Klapprad, wenn der Platz an Bord beschränkt ist. Etwa 6 km fährt er rein elektrisch mit maximal 25 km/h und ist in einer Stunde wieder voll geladen. Das Laden funktioniert bei Landstrom genau so gut wie unter Maschine und dem 2500 W Inverter. Schon in den ersten Tagen am Weg zum Hafenkapitän in Umag (Die Qualität des Radweges könnte eventuell nachgebessert werden) oder in der langgezogenen Marina Veruda hat sich der Scooter bestens bewährt.

Tag 2.
Nach den Einklarierungsformalitäten in Umag und 3400 Kuna weniger in der Urlaubskassa geht es gegen 1030 zuerst zur Tankstelle, die mich noch einmal um 1455 Kuna erleichtert. Bei absoluter Windstille geht es mittels Autopilot Richtung Süden. Der fehlende Wellengang verleitet mich, die Arbeiten an Bord fortzusetzen und Einiges an Holz zu zersägen und zu schleifen, solange der Strom im Überfluß zur Verfügung steht. Vorbei an Sveti Ivan und Sveti Ivan an Pucini geht es in einer trüben Suppe ohne Konturen zu meinem nächsten Tagesziel.

Nach einem kalten Mittagessen und einem guten, warmen Cappuccino lege ich mich um 1745 an eine Boje in der Bucht Micula auf Mali Brijun. Da die Inselgruppe der Sommersitz des früheren, jugoslawischen Präsidenten Tito und damals für die Öffentlichkeit gesperrt war, konnte ich diese Inselgruppe nach den unzähligen Törns in meiner Jugendzeit nun zum ersten Mal besuchen.

Tag 3.
Nach einer Nacht nur ich und etwa gefühlten zigttausenden Möwen in der Bucht setze ich meine Fahrt gegen mässigen Südwind weiter fort. Heute ist nur eine kurze Strecke in die Marina Veruda, ein paar Meilen südlich von Pula, am Südzipfel Istriens geplant. Zum Ersten, da heute Homeofficetag ist und zum Zweiten soll morgen ein sehr starker Südwind kommen und da möchte ich in einem gut geschützen Hafen liegen und zum Dritten ist Rotina gerade hier zum Segeltraining. Perfekt, um ihrem Geburtstag am 05.04 gebührend zu feiern.

Homeoffice 2.0. Die Marina Veruda verfügt über ein recht gutes WLAN, und es ist durchaus möglich, sämtliche bereits eingetroffenen Emails zu bearbeiten, das Jira-Ticketsystem nach Neuigkeiten zu durchsuchen und über das neue Headset selbst ein Jourfix mit meinem Chef abzuhalten. Danach noch einige kleine Anweisungen an meine Mitarbeiter schreiben und über Microsoft Teams Fragen von technischen Produktmanagern und Projektleitern zu beantworten. Solange die Technik funktioniert, ist Vieles möglich.

Nach dem anstrengenden Arbeitstag geht sich sogar noch eine kleine Laufrunde entlang der Küste aus. Immerhin sind es nur noch 30 Tage bis zum Wings for Live-Run, wo jeder gelaufene Kilometer bare Münze für einen guten Zweck darstellt. Dafür muß natürlich ordentlich trainiert werden. Später besuche ich noch unsere YCA-Trainingscrew, wo Michael unserer bezaubernden Damencrew noch etliche Manöver vor der Prüfung in der nächsten Woche beibringt. Rotina, Esther, Katharina und Irene sind gelehrige Schülerinnen, versichert mir Michael. Mit 2 Weinflaschen erkaufe ich mir ein köstliches Abendessen in sehr netter Gesellschaft.

Tag 4 ist aufgrund des Starkwindes ein Hafentag, und so bleibt mir genügend Zeit den Jo Eh-Blog weiter zu scheiben. Wenn das Wetter morgen passt, werde ich Istrien über den Kvarner verlassen und in die Inselwelt Kroatiens eintauchen.

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